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RUMMELSNUFF
RUMMELSNUFF ist keine Erfindung, die vom Himmel fiel oder Produkt aus obskuren Darkrooms wäre. Der Erfinder und Schöpfer der Figur RUMMELSNUFF heißt Roger Baptist und hat eine facettenreiche Geschichte, die manches verständlich macht, aber längst nicht alles erklärt.
Roger Baptist alias RUMMELSNUFF ist Musiker, Kraftsportler und Seemann in Personalunion. Und er ist ein “Bild von einem Mann“. Geprägt durch seinen Vater, den Posaunisten und Bandleader Peter Baptist, bewegt sich seine erste Band KEIN MITLEID im Untergrund der sterbenden Deutschen Demokratischen Republik. Kurz vor der Wende bricht Roger als Keyboarder mit den FREUNDEN DER ITALIENISCHEN OPER zu neuen Ufern auf. Übrig blieben leider nur zwei Alben (auf ZickZack und nahezu vergriffen) und die Legende von einer grandiosen Band, von der Wissende mit leuchtenden Augen schwärmen. Die Jahre danach verbringt Baptist mit dem martialischen Electro-Industrial-Trio AUTOMATIC NOIR, um hier kurz vor dem großen Erfolg das Handtuch zu werfen, die Anker zu lichten und auf einem norwegischen Handelsschiff anzuheuern. 5 Jahre bereist er die Weltmeere von Hammerfest bis Sansibar, um 2004 anlässlich des 40. Geburtstages vom FDIO-Tenor Ray von Zeschau wieder auf festen Bühnen-Planken zu stehen. Diese einmalige Reunion der FREUNDE DER ITALIENISCHEN OPER animiert Roger Baptist zu seinem elektronischen Projekt RUMMELSNUFF.
Beeinflusst und sozialisiert durch die Musik von KRAFTWERK, DAF, FEHLFARBEN, DEVO, TRIO, JOY DIVISION und LAIBACH, durchsetzt von derb-herzlicher Seefahrer-Romantik und garniert mit einer imposanten Erscheinung, hält RUMMELSNUFF mit seinem Debüt-Album “Halt Durch!“ direkten Kurs auf Körper, Köpfe, Ohren und Herzen von neugierigen wie verstehenden Leuten weltweit. Seine oft ironischen Texte lassen aber auch ein gutes Maß ehrlicher Brachial-Romantik zu, die vor Männerschweiß strotzt. Die manchmal aggressiv scheinende Ausdrucksweise und der ruppige Ton sind übrigens auf Jugenderinnerungen aus der DDR zurückzuführen, wo jener Jargon auf den Sportplätzen üblich war. Die Wahrheit: Harte Schale, weicher Kern!
Das beste Beispiel dafür ist der Single-Hit “Der Hund“, für RUMMELSNUFF-Verhältnisse ungewohnt dicht instrumentiert, mit groovigen Snare-Drums und fetziger Surfgitarre, sein Tanz durch die Wüste. Das nicht alles ist wie es scheint, dafür steht “Halt durch!“. Obwohl in dieser Hymne die stürmische See mehr als Metapher für die Untiefen des täglichen Lebens und Scheiterns verwendet wird, funktioniert der Song doch als Schunkel-Shanty. Weiteres Indiz für die Sensibilität des Kraftsportlers und Türstehers: “Halbstark und laut“. Dieser autobiografische Song über den Verlust eines Freundes ist in ein minimales Gewand gekleidet, das die berührenden Lyrics wirksam werden lässt. Deutlich brachialer geht es bei der DEVO-Cover-Version “Mongoloid“ zu: ein erprobter Live-Klassiker von RUMMELSNUFF. Mit “Sliwowitz“ thematisiert Roger Baptist wehmütige Erinnerungen an seine Jugendzeit und die spätere Rückkehr in seine Heimat Dresden. Herkunft und Lokalkolorit sind zum hymnischen Popkontext mit Ex-FDIO Jänz “Blitz“ Gouthier an der Gitarre umgesetzt.
Prominenter Gast auf dem Album ist der Schauspieler Roman Shamov, mit dem sich Roger Baptist unter anderem bei „Vollnarkose“ ein Duett liefert, das wie DAF trifft BUSHIDO klingt und dabei den Libanesen derb, aber trotzdem charmant von der Sonnenbank schubst. Gegen Ende des Albums bleibt Roger Baptist dem Meer treu: obwohl „Rummelkäpt’n“ vom Sinn her kein richtiges Seefahrerlied sondern eher eine Metapher für des Künstlers Sturheit und Menschenscheu ist.
Der Muskelbulle im Hans Albers-Look und mit ostdeutschen Wurzeln wird mit seinen geradezu volkstümlichen Electro-Doom-Shantys zwischen Kraft, Eisen und Schlager polarisieren (Missverständnisse eingeschlossen). RUMMELSNUFF funktioniert im Darkroom, auf der Indie-Disco und im Bierzelt. Diese “Strommusik“ muss live erlebt werden, denn neben der sportlich-kultigen Optik bieten zahlreiche Videoclips eine Augenweide bei den Konzerten von RUMMELSNUFF. Roger Baptist besitzt das Potenzial für großes Kino. Hier ist der Soundtrack zum Einstieg.

Die Presse über RUMMELSNUFF
“... Rumelsnuff, eine Mischung aus Shrek, Popeye und dem unglaublichen Hulk in hautfarben, ... produziert ambivalente elektronische Sequenzer-Chansons für die ganz finsteren Vögel der Nacht.“
(Groove Januar /Februar 2008)
„Rummelsnuff ist, gerade weil sich Stärke und Schwäche, Albernheit und heiliger Ernst, faschistoide, ostige, schwule Zwanziger-Jahre-avantgardistisch, athletische und clowneske Ästhetik wild in ihm kreuzen, ein Fürsprecher in Sachen einer lässigen Offenheit“.
(Spex 313)
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